Fachhochschule
oder Universität?

Vorteile und Vorurteile

Fachhochschule oder Universität – welcher Hochschultyp kommt für dich in Frage? Welche Vor- oder Nachteile ein Universitätsstudium oder ein Fachhochschulstudium angeblich bieten, darüber gibt es viele Vorurteile: "praxisfern" sei das eine, "verschult" das andere. Hier seien die Kurse zu groß, dort das später erzielte Einkommen zu gering. Und wo sollst du jetzt anfangen zu studieren?

Der Begriff "Hochschule" umfasst als Oberbegriff alle Hochschularten. Demnach ist jede Universität eine Hochschule, aber nicht alle Hochschulen sind Universitäten.

Viele Fachhochschulen (FH) nennen sich "Hochschule für Angewandte Wissenschaften" (HAW), das wird als "University of Applied Sciences" auch im englischen Ausland verstanden. Dort ist nämlich der Begriff "Hochschule" sonst eher mit "Highschool", also mit schulischer Ausbildung, verbunden.

Universitäten sind im Vergleich zu Fachhochschulen stärker theorieorientiert und konzentrieren sich vorrangig auf Grundlagenforschung. Bestimmte Berufsgruppen wie Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer sowie Juristinnen und Juristen werden nur an Universitäten ausgebildet. Fachhochschulen sind stark praxis- und anwendungsorientiert. Darum gibt es ins Studium integrierte, in der Regel umfangreiche Praxisphasen, die in Betrieben und Einrichtungen absolviert werden. Viele Fachhochschulen haben auch duale Studiengänge im Angebot.

Ob es sich nun für euch an der einen oder der anderen Art von Hochschule besser lernen lässt, müsst ihr als Studieninteressierte selbst entscheiden – auch abhängig von eurem Wunsch-Studiengang:

 

Groß oder klein?
Meistens sind Fachhochschulen kleiner als Universitäten – und wenn es weniger Studierende gibt, ist die Betreuung besser und die Hörsäle sind nicht überfüllt. Andererseits bieten große Universitäten in der Regel ein breiteres Studienangebot und mehr individuelle Wahlmöglichkeiten.
Theorie oder Praxis?
Wo kann man mehr ausprobieren und forschen? Wo lernt man anwendungsorientiert – und wo geht es um wichtige Grundlagenforschung? An Universitäten sind Lehre und Forschung eng verknüpft, im Studium wird auch die Theorie dazu vermittelt. Die Lehrenden an Fachhochschulen müssen ihre Praxiserfahrung nachweisen und mehrere Jahre Berufserfahrung haben. Diese Vorgabe gibt es an Universitäten nicht, dort steht die Forschungserfahrung im Vordergrund. Darüber hinaus müssen heutzutage alle neuen Dozentinnen und Dozenten an Fachhochschulen wie auch Universitäten bei ihrer Vorstellung demonstrieren, dass sie auch gute Lehre leisten können.
Herr oder Frau Dr.?
Wer einen Doktorgrad anstrebt, ist auf Universitäten angewiesen: Ausschließlich bei ihnen liegt das Promotionsrecht. Absolventinnen und Absolventen an Fachhochschulen können aber im Rahmen von Kooperationen mit einer Universität promovieren.
Master-haft!
Seitdem es Bachelor- und Master-Abschlüsse gibt, gilt die Regel: FH-Bachelor und Uni-Bachelor sind gleichgestellt, man kann mit beiden Abschlüssen im Master weiter studieren – an der Universität oder an der Fachhochschule. So sind auch Wechsel zwischen den Hochschularten möglich – unter Umständen mit der Auflage, einige Leistungen nachholen zu müssen.
Wechselhaft?
Auch während des Studiums kann man die Hochschule oder das Studienfach wechseln – nur werden vielleicht nicht alle Leistungen anerkannt. Deswegen solltest du dich vorher ausführlich informieren!
Mehr Praxis: Praktisch!
Insbesondere an Fachhochschulen gibt es oft Kooperationen mit Unternehmen aus der Umgebung: Diese Kontakte lassen sich für Praktika, Forschungs- und Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten nutzen!
Wo gibt es was?
An Fachhochschulen umfasst das angebotene Fächerspektrum insbesondere ingenieurwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche und soziale Bereiche. An Universitäten ist die Fächervielfalt meist größer. Es gibt aber umgekehrt auch Universitäten, die auf einzelne Fächer oder Fachbereiche konzentriert sind, wie Medizin oder die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer (Technische Universitäten).
Und ist das jetzt verschult?
An Fachhochschulen ist die Zahl der Präsenzstunden in Vorlesungen, Kursen, Seminaren und Laboren größer als an Universitäten. Dafür ist die Eigenverantwortung der Studierenden an einer Universität größer und erfordert ein erhöhtes Maß an Selbstdisziplin.

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